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Konstantinos Kavafis
Public domain · Wikimedia Commons

A2Neugriechenland · Dichter

Konstantinos Kavafis

Κωνσταντίνος Καβάφης

1863 – 1933 · Alexandria, Ägypten

Konstantinos Kavafis (Κωνσταντίνος Καβάφης, 1863–1933), im Englischen als C. P. Cavafy bekannt, lebte fast sein ganzes Leben in Alexandria in Ägypten, arbeitete als Büroangestellter und veröffentlichte nie ein Buch. Dennoch sind seine 154 Gedichte über die griechische Vergangenheit, die Freuden des Körpers und das langsame Wirken der Zeit die meistübersetzte griechische Lyrik des zwanzigsten Jahrhunderts. Ιθάκη (Ithaka) mit dem Rat, sich eine lange Reise zu wünschen, ist das eine griechische Gedicht, das viele Menschen im Ausland kennen.

Leben

Kavafis wurde am 29. April 1863 in Alexandria geboren, als jüngstes von neun Kindern einer wohlhabenden griechischen Kaufmannsfamilie aus Konstantinopel. Sein Vater starb 1870, das Geschäft brach zusammen, und die Familie verbrachte die Jahre 1872 bis 1877 in England, in Liverpool und London, wo der Junge so gut Englisch lernte, dass er sein Leben lang einen leichten englischen Akzent im Griechischen behielt. Nach einigen Jahren in Konstantinopel in den 1880er Jahren kehrte er nach Alexandria zurück und verließ die Stadt danach kaum mehr.

Von 1892 bis 1922, dreißig Jahre lang, arbeitete er als Angestellter beim Bewässerungsamt des ägyptischen Ministeriums für öffentliche Arbeiten und besserte sein Gehalt als Makler an der Baumwollbörse auf. Er lebte bis zu ihrem Tod 1899 bei seiner Mutter und danach allein in einer Wohnung im zweiten Stock in der Rue Lepsius, über einem Bordell und neben einem Krankenhaus und der griechischen Kirche des heiligen Sabbas, eine Umgebung, über die er gern scherzte. Er war homosexuell, und die Liebesgedichte, die er etwa ab 1910 schrieb, diskret, aber unmissverständlich, gehören zu den ersten der modernen Literatur, die offen davon sprechen.

Er weigerte sich, ein Buch zu veröffentlichen. Stattdessen ließ er Gedichte auf Einzelblättern und in kleinen Heften drucken, die er Freunden und Besuchern schenkte und ständig überarbeitete. E. M. Forster, der ihn während des Ersten Weltkriegs kennenlernte, machte ihn den englischen Lesern bekannt. 1932 wurde bei Kavafis Kehlkopfkrebs festgestellt; nach einer Operation in Athen verlor er die Stimme und starb am 29. April 1933, seinem siebzigsten Geburtstag, in Alexandria.

Werk

Kavafis teilte seine Gedichte in drei Gruppen ein: historische, philosophische und erotische. Die historischen Gedichte besuchen selten das klassische Athen; sie bevorzugen die hellenistischen Königreiche, Byzanz und die griechischen Städte des römischen Ostens, und sie sind kleine Dramen der Eitelkeit, der Niederlage und der Ironie. In Περιμένοντας τους βαρβάρους (Warten auf die Barbaren, 1904) bereitet sich eine ganze Stadt darauf vor, sich Eindringlingen zu ergeben, die nie kommen, und der letzte Vers fragt, was wir nun ohne sie tun sollen. In Απολείπειν ο θεός Αντώνιον (Der Gott verlässt Antonius, 1911) wird Marcus Antonius aufgefordert, sich mit Würde von Alexandria zu verabschieden, während ihm die Stadt entgleitet.

Die philosophischen Gedichte sind diejenigen, die man zitiert. Η Πόλις (Die Stadt, 1910) warnt, dass man seinem Leben nicht entkommt, indem man die Stadt wechselt: «Η πόλις θα σε ακολουθεί» (die Stadt wird dir folgen). Ιθάκη (Ithaka, 1911) macht aus der Reise des Odysseus eine Lehre über das Leben: Die Insel ist der Vorwand, die Fahrt ist der Sinn. Θερμοπύλες (Thermopylen, 1903) ehrt jene, die ihren Posten halten, obwohl sie wissen, dass die Perser am Ende durchkommen, und Κεριά (Kerzen, 1899) zählt die Tage eines Lebens als Reihe brennender und erloschener Kerzen. Die erotischen Gedichte wie Θυμήσου, σώμα (Erinnere dich, Körper) und Μέρες του 1903 (Tage von 1903) erinnern mit Zärtlichkeit und ohne Entschuldigung an flüchtige Begegnungen in billigen Zimmern. Seine Sprache ist eine bewusste Mischung aus Dimotiki und altertümlicher Katharevousa, nüchtern, genau und unlyrisch, was sie ungewöhnlich leicht übersetzbar macht und erklärt, warum Kavafis in jeder Sprache wie Kavafis klingt.

Nachwirkung im heutigen Griechenland

Der beste Einstieg ist, Ithaka laut vorgelesen zu hören, auf Griechisch oder auf Deutsch; das Gedicht wurde 1994 bei der Beerdigung von Jacqueline Kennedy Onassis vorgetragen und steht auf unzähligen Abschlusskarten. Griechische Schülerinnen und Schüler lesen Ιθάκη, Η Πόλις, Θερμοπύλες und Περιμένοντας τους βαρβάρους im Lyzeum, und Verse wie «Σα βγεις στον πηγαιμό για την Ιθάκη» oder «Η πόλις θα σε ακολουθεί» werden in Zeitungsschlagzeilen und im Alltag zitiert. Die Wohnung in der ehemaligen Rue Lepsius in Alexandria ist heute das Kavafis-Museum, betrieben von der Onassis-Stiftung, die auch sein Archiv in Athen verwahrt. Leonard Cohens Lied «Alexandra Leaving» ist eine freie Fassung von Der Gott verlässt Antonius, und mehrere griechische Komponisten haben die Gedichte vertont. Die Website bietet eine C2-Hörwürdigung und eine C2-Sprechübung über das Übersetzen seiner Gedichte.

Wussten Sie schon?

  • Er wurde am selben Datum geboren, an dem er starb, am 29. April, 1863 und 1933.
  • Er veröffentlichte nie ein Buch für den Verkauf; seine Gedichte kursierten auf gedruckten Blättern, die er selbst verteilte, und die erste Gesamtausgabe erschien 1935, zwei Jahre nach seinem Tod.
  • Sein kanonisches Werk umfasst nur 154 Gedichte; viele weitere verwarf oder verbarg er, sie wurden später als «verborgene» und «unvollendete» Gedichte veröffentlicht.
  • Er arbeitete dreißig Jahre als Angestellter im Bewässerungsamt und bezeichnete sich gegenüber Besuchern eher als Dichter-Historiker denn als Beamter.

Hauptwerke

Griechischer TitelTitelJahr
ΚεριάKerzen1899
ΘερμοπύλεςThermopylen1903
Περιμένοντας τους βαρβάρουςWarten auf die Barbaren1904
Η ΠόλιςDie Stadt1910
ΙθάκηIthaka1911
Απολείπειν ο θεός ΑντώνιονDer Gott verlässt Antonius1911

Ein Satz zum Merken

Σα βγεις στον πηγαιμό για την Ιθάκη, / να εύχεσαι να 'ναι μακρύς ο δρόμος, / γεμάτος περιπέτειες, γεμάτος γνώσεις.

Sa vgeis ston pigaimo gia tin Ithaki, / na efchesai na 'nai makrys o dromos, / gematos peripeteies, gematos gnoseis.

Wenn du dich aufmachst nach Ithaka, / wünsche dir, dass der Weg lang sei, / voller Abenteuer, voller Erkenntnisse.

Ιθάκη (1911)

Im Original

Der Text, wie Konstantinos Kavafis ihn geschrieben hat, gemeinfrei, mit unserer eigenen Übersetzung daneben.

«Ιθάκη»Ithaka

Das ganze Gedicht: Kavafis macht aus der Heimkehr des Odysseus die Lehre, dass nicht die Ankunft, sondern die Reise der Lohn ist. Beachten Sie seine eigene Schreibweise, so belassen, wie er sie veröffentlichte: νάναι, θάβγαινες, σε δώσει.

Σα βγεις στον πηγαιμό για την Ιθάκη,Wenn du dich auf den Weg nach Ithaka machst,
να εύχεσαι νάναι μακρύς ο δρόμος,so wünsche dir, dass lang die Straße sei,
γεμάτος περιπέτειες, γεμάτος γνώσεις.voller Abenteuer, voller Erkenntnis.
Τους Λαιστρυγόνας και τους Κύκλωπας,Die Laistrygonen und die Kyklopen,
τον θυμωμένο Ποσειδώνα μη φοβάσαι,den zornigen Poseidon fürchte nicht,
τέτοια στον δρόμο σου ποτέ σου δεν θα βρείς,dergleichen wirst du nie auf deinem Weg finden,
αν μέν' η σκέψις σου υψηλή, αν εκλεκτήwenn dein Denken hoch bleibt, wenn erlesene
συγκίνησις το πνεύμα και το σώμα σου αγγίζει.Empfindung deinen Geist und deinen Körper berührt.
Τους Λαιστρυγόνας και τους Κύκλωπας,Den Laistrygonen und den Kyklopen,
τον άγριο Ποσειδώνα δεν θα συναντήσεις,dem wilden Poseidon wirst du nicht begegnen,
αν δεν τους κουβανείς μες στην ψυχή σου,wenn du sie nicht in deiner Seele mit dir trägst,
αν η ψυχή σου δεν τους στήνει εμπρός σου.wenn deine Seele sie nicht vor dir aufstellt.
Να εύχεσαι νάναι μακρύς ο δρόμος.So wünsche dir, dass lang die Straße sei.
Πολλά τα καλοκαιρινά πρωϊά να είναιMögen es viele Sommermorgen sein,
που με τι ευχαρίστησι, με τι χαράan denen du mit welcher Lust, mit welcher Freude
θα μπαίνεις σε λιμένας πρωτοειδωμένους·in Häfen einläufst, die du zum ersten Mal siehst;
να σταματήσεις σ' εμπορεία Φοινικικά,mögest du bei phönizischen Handelsplätzen halten
και τες καλές πραγμάτειες ν' αποκτήσεις,und die schönen Waren dort erwerben,
σεντέφια και κοράλλια, κεχριμπάρια κ' έβενους,Perlmutt und Korallen, Bernstein und Ebenholz,
και ηδονικά μυρωδικά κάθε λογής,und sinnliche Düfte jeder Art,
όσο μπορείς πιο άφθονα ηδονικά μυρωδικά·so reichlich du nur kannst, sinnliche Düfte;
σε πόλεις Αιγυπτιακές πολλές να πας,mögest du in viele ägyptische Städte gehen,
να μάθεις και να μάθεις απ' τους σπουδασμένους.um zu lernen und wieder zu lernen von den Gelehrten.
Πάντα στον νου σου νάχεις την Ιθάκη.Behalte Ithaka immer im Sinn.
Το φθάσιμον εκεί είν' ο προορισμός σου.Dort anzukommen ist dein Ziel.
Αλλά μη βιάζεις το ταξίδι διόλου.Doch übereile die Reise keineswegs.
Καλλίτερα χρόνια πολλά να διαρκέσει·Besser, sie dauert viele Jahre,
και γέρος πια ν' αράξεις στο νησί,und du legst erst als Greis an der Insel an,
πλούσιος με όσα κέρδισες στον δρόμο,reich mit allem, was du unterwegs gewonnen hast,
μη προσδοκώντας πλούτη να σε δώσει η Ιθάκη.ohne zu erwarten, dass Ithaka dir Reichtum gibt.
Η Ιθάκη σ' έδωσε το ωραίο ταξίδι.Ithaka hat dir die schöne Reise geschenkt.
Χωρίς αυτήν δεν θάβγαινες στον δρόμο.Ohne Ithaka wärst du nie aufgebrochen.
Αλλο δεν έχει να σε δώσει πια.Anderes hat es dir nicht mehr zu geben.
Κι αν πτωχική την βρεις, η Ιθάκη δεν σε γέλασε.Und findest du es arm, Ithaka hat dich nicht betrogen.
Ετσι σοφός που έγινες, με τόση πείρα,So weise, wie du geworden bist, mit so viel Erfahrung,
ήδη θα το κατάλαβες οι Ιθάκες τι σημαίνουν.wirst du schon verstanden haben, was die Ithakas bedeuten.

«Ιθάκη» (1911), complete · Gemeinfreier Text, Quelle: el.wikisource.org

A2

Über Konstantinos Kavafis auf Griechisch lesen (A2)

Wörter aus dem Text

  • Tag
  • Leben
  • Angestellter
  • Büro
  • Abend
  • ich ändere
  • Reise
  • wichtig

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